Spitzenspiel erst nach Overtime entschieden

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Im an Spannung kaum zu überbietenden Spitzenspiel um die Tabellenführung in der österreichischen Meisterschaft im Rollstuhlbasketball konnten sich die Conveen Sitting Bulls im Rahmen der letzten Vorrunde in Tulln gegen den Tabellenzweiten, die LoFric Dolphins aus Wien, erst nach Overtime mit 81:64 (33:22; 64:64) durchsetzen. Dabei retteten sich die niederösterreichischen Rollis nach einem bereits komfortabel erscheinenden 15-Punkte-Vorsprung im 2. Viertel (29:14), einem langen Durchhänger im Angriffsspiel im dritten Viertel und einem hochklassigen Schlussabschnitt mit einem 3er von Hannes Kaufmann, der genau mit der Schlusssirene durch den Ring fiel, in die Verlängerung. In diesen fünf Minuten konnten die Wiener Delfine, die jetzt ohne ihre Topscorer Reichl (31 Punkte) und Holdernig (14) auskommen mussten, da sie jeweils fünf Fouls begangen hatten, den Bullen mit den stark spielenden Prause (25), Wastian (22) und Kraft (15) nichts mehr entgegensetzen.
Als fast meisterlich hingegen war die Leistung gegen den Meister der letzten Saison, die Flink Stones aus der Steiermark, einzustufen. Das Team um Jörg Goldgruber wurde in jeder Phase des Spiels beherrscht und klar mit 88:50 besiegt. Auch im dritten Match gegen den RSC Tirol feierten die Conveen Sitting Bulls einen eindeutigen 84:38-Sieg. Mit drei Siegen in den letzten drei Spielen haben sich die Bulls nach der Vorrunde ungeschlagen Tabellenposition 1 gesichert und eine ausgezeichnete Ausgangslage für das Ende März in Wolkersdorf stattfindende Final Four geschaffen. Dort treffen in den Halbfinalspielen die Flink Stones auf die LoFric Dolphins und die Sitting Bulls auf die Carinthian Broncos, ehe die jeweiligen Gewinner im Finale den Staatsmeisterschaftstitel unter sich ausmachen werden.


 

Conveen Sitting Bulls : RSC Tirol - 84:38 (39:6)

Auch wenn die Conveen Sitting Bulls auf ihre beiden Langzeitverletzten Thomas Holzreiter und Coach Andreas Zankl als Spieler verzichten mussten und den leicht erkrankten Alex Hanisch in dieser Begegnung schonten, war das Match gegen die nur mit sieben Spielern angereisten Tiroler von Beginn an eine klare Sache. Erst in der neunten Spielminute erlöste Oberthanner den klaren Außenseiter beim Stand von 0:19 mit dem ersten Korb. Zur Halbzeit führten die in allen Belangen überlegenen Niederösterreicher mit 39:6, bevor die Tiroler im dritten Spielabschnitt aufdrehten und mit 19:22 in dieser Phase gut mithielten. Bei den Bullen erhielten alle verfügbaren Spieler zwischen 20 und 30 Minuten Einsatzzeit und vor allem Edeljoker Michael Höller wusste mit 18 Punkten in 20 Minuten zu gefallen. Ein in der zweiten Halbzeit recht abwechslungsreiches Spiel endete mit einem klaren und verdienten 84:38-Erfolg für die Conveen Sitting Bulls.

Prause 22, Höller 18, Kraft 12, Kaufmann, Wastian je 10, Riedl 8, Eckerl 4, Bock bzw. Wechselberger 13, Oberthanner 10, Weger 8, Schett 4, Schiest 2, Hermann-Gruber 1, Lechner

 

Conveen Sitting Bulls : LoFric Dolphins Wien - 81:64 OT (33:22; 64:64)

Bereits in der ersten Begegnung dieser Saison im Dezember hatten sich die Sitting Bulls mit den Wiener Delfinen einen heißen Kampf geliefert, den die Bullen letztlich mit 68:61 für sich entschieden hatten. Diesmal sah es lange Zeit nach einem weniger spannenden Aufeinandertreffen aus, doch dieser Schein sollte gewaltig trügen.
Im ersten Viertel setzten sich bei den Bullen immer wieder Matthias Wastian mit schnellen Gegenstößen und Harald Prause am Zonenrand in Szene, die beiden kamen gemeinsam auf 17 Punkte in den ersten zehn Minuten. Auf Seite der Wiener stach der tschechische Legionär Radim Reichl lediglich einmal mit seinem gefürchteten Distanzwurf, die Wiener hatten es hauptsächlich Loisinger und seinen drei verwerteten Layups zu verdanken, dass sie nach dem ersten Viertel nur mit 10:21 im Hintertreffen lagen. Im zweiten Viertel verlief die Partie dann ausgeglichen, beiden Mannschaften gelang offensiv nicht übertrieben viel. Als Reichl in der 18. Spielminute sein bereits viertes persönliches Foul beging und bis zur Pause auf der Bank Platz nahm, schien eine Vorentscheidung zugunsten der Sitting Bulls gefallen zu sein.
Doch nach dem 42:29 durch den im dritten Viertel starken Andreas Kraft in Minute 25 riss der Faden im Offensivspiel der Heimmannschaft endgültig. Reichl, dem die Schiedsrichter in mehreren kritischen Situationen nicht sein fünftes Foul pfiffen und der von den Schiedsrichtern mit einer konsequenten Härte wie schon die gesamte Saison über kein einziges Lifting (es dürfen nicht beide großen Räder des Rollstuhls gleichzeitig in der Luft sein) gepfiffen bekam, war hingegen „on fire“ und netzte allein in diesem Spielabschnitt 12 Punkte. Die Bullen spielten in dieser Phase total einfallslos und der Vorsprung schmolz durch einen 11:0-Lauf der Wiener bis ans Ende des 3. Viertels rapide.
Und die 44:40-Führung der Niederösterreicher egalisierte Holdernig gleich in der ersten Spielminute des Schlussviertels, ehe Reichl die Seinigen erstmals in Führung brachte. Erst beim Stand von 46:50 erkannten die Sitting Bulls den Ernst der Lage, und auch wenn die Verteidigung Löcher von erschreckend großem Ausmaß vor allem für Kainz offen ließ, so hielten wenigstens offensiv Kapitän Matthias Wastian mit zwei Dreiern zum 49:50 und zum 52:54 sowie Michael Höller zum 54:56 und Leo Eckerl von der linken Seite zum 56:60 dagegen. An dem Dreier von Reichl zum 63:58 eine gute Minute vor Schluss hatten die Bullen noch einiges zu knabbern, doch Holdernigs Fouls Nummer 3, 4 und 5 binnen einer Minute ließen die Bulls nochmals Hoffnung schöpfen. Prause verkürzte auf 60:63, Kraft konnte zwei Freiwürfe nicht verwerten, nach längerer Diskussion der Schiedsrichter wurde nur ein verwerteter Freiwurf von Wastian gewertet – 61:63. Im Time-Out gab Coach Zankl 29 Sekunden vor Schluss die Order aus, einen der drei Spieler Lambrechter, Selimi oder Loisinger zu foulen, was Kraft mit einem Foul an Lambrechter auch gelang. Der verwertete den zweiten Freiwurf, also benötigten die Bullen ein Dreipunktspiel für die Overtime. Wastian brachte den Ball vor, kam jedoch unter Bedrängnis von Reichl und Kainz nicht zum Wurf hinter der Dreipunktelinie, fand Kaufmann ganz frei hinter besagtem Bogen, der ließ den Ball fallen, Prause holte den „loose ball“, passte nochmals zu Kaufmann und der traf mit dem Buzzer zum viel umjubelten Ausgleich.
In dieser gingen die Bullen mit 68:64 in Führung, ehe in der dritten Minute Reichl nach seinem fünften Foul vom Feld rollen musste. Damit war die Gegenwehr der Hauptstädter gebrochen und die Sitting Bulls hatten in der Zone mit Prause und Kraft leichtes Spiel. Mit drei verwerteten Freiwürfen in der Schlusssekunde stellte Wastian den nicht den äußerst spannenden Spielverlauf wiedergebenden Endstand von 81:64 her.
Dieses Match wäre auf jeden Fall schon ein würdiges Staatsmeisterschaftsfinale gewesen – bis zu diesem ist allerdings noch ein gutes Monat für alle Teams Zeit sich im Training gut darauf vorzubereiten.

Prause 25, Wastian 22, Kraft 15, Kaufmann 6, Eckerl 5, Höller, Riedl je 4, Hanisch bzw. Reichl 31, Holdernig 14, Kainz 10, Loisinger 8, Lambrechter 1, Dougan, Selimi

 

Conveen Sitting Bulls : Flink Stones Steiermark  - 88:50 (41:22)

Gegen den amtierenden Staatsmeister aus der Steiermark legten die Sitting Bulls los wie die Feuerwehr, in der vierten Minute stand es schon 12:2 für das Team von Coach Andreas Zankl. Die körperliche Überlegenheit können die Niederösterreicher konsequent in Punkte ummünzen, sie zogen über 32:15 bis zur Pause auf 41:22 davon. Zwar fand Jörg Goldgruber in der zweiten Halbzeit ein wenig besser ins Spiel und Mario Grabner lieferte eine starke Partie ab, aber die Full Court Press der Bullen war an diesem Tag deutlich zu stark für die an diesem Tag nicht ganz so flinken steirischen Steine. Bei den Bullen waren vor allem die Double-Doubles von Harald Prause (26 Punkte, 12 Rebounds) und Andreas Kraft (18 Punkte, 11 Rebounds, zusätzlich noch 9 Steals) sowie die Leistungen von Riedl (6/6 aus dem Feld, 8 Assists) und Routinier Eckerl (14 Punkte) erwähnenswert. Mit diesem klaren Sieg beenden die Sitting Bulls die Vorrunde ungeschlagen und scheinen für die bevorstehenden Aufgaben im Europacup und in der Finalrunde der österreichischen Meisterschaft ganz gut gerüstet zu sein.

Prause 26, Kraft 18, Eckerl 14, Riedl 12, Wastian 9, Höller 5, Hanisch 4, Bock, Kaufmann bzw. Goldgruber 24, Grabner 16, Kopp 7, Tomaschitz 3, Fraiss, Grundner, Prem, Schmerlaib

 

Weiterführende Links:

 Bilder Alle Ergebnisse und Tabelle   

 

 Video vom Spiel gegen Wien (93MB) Video vom letzten Angriff gegen Wien (4MB)